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Mina Schreyer, Kreuzweg 1, 3238 Gals –
Postkonto 30-32962-1
Bieler Tagblatt vom 11. Mai 1999
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Ein Paradies für
«Wegwerf-Tiere»

«Piepser», ein schmächtiger schwarzer Kater, miaut
um Streicheleinheiten. Wie er, leben 180 Katzen im Tierheim Gals. Katzen,
die lieblos verstossen wurden: «Wegwerftiere» der Wegwerfgesellschaft.
ebr. «Es tönt brutal, aber es ist Tatsache, dass es
Menschen gibt, die ihre Katze aussetzen, weil sie in die Ferien fahren,
oder weil sie das Haustier plötzlich nicht mehr wollen», erklärt
Tierheiminitiantin Mina Schreyer (rechts im Bild). Eigentlich ist sie Lehrerin. Mina
Schreyer unterrichtete während 21 Jahren an der Unterstufe in Aegerten.
Als Tierschutz-Aktivistin erkannte sie, dass Tierschutz vor allem
theoretisch betrieben wird. Das fand sie frustrierend. Sie wollte
praktischen Tierschutz. Mina Schreyer richtete das elterliche Bauernhaus
samt Umschwung mitten in Gals katzengerecht ein und nahm herrenlose,
kranke, verstossene und dadurch oft psychisch gestörte Tiere mit allerlei
Macken auf. Vor sieben Jahren gab sie das Unterrichten ganz auf. Seither
sind Katzen ihre Lebensaufgabe und ihr Lebensinhalt. «Es gibt Leute im
Dorf, die Verständnis haben dafür, aber nicht alle haben Freude daran»,
erklärt sie, dass ihr Tierheim mit all den verstossenen Katzen als Mahnmal
für die Wegwerfgesellschaft steht und wohl deshalb auch als Belastung
empfunden wird.
Respekt vor jedem Leben
«Ich bin Leben inmitten von Leben, das leben will», macht sie ein
Albert-Schweitzer-Zitat zu ihrem Lebensmotto. «Ich frage mich, mit welchem
Recht Menschen über wertes oder unwertes Leben richten», betont sie ihren
Respekt vor jedem Leben. «Wir wollen nicht mehr solche Tierheime, sondern
weniger Wegwerftiere», appelliert Mina Schreyer an den Tierschutz, seine
ureigenste Aufgabe ernst zu nehmen: Aufklärung über Tierhaltung und
kastrieren herumstreunender Katzen. «Dann wäre mein Heim mit der Zeit
überflüssig.»
Am meisten ärgert sie, dass viele Tierschutzvereine
Spendengelder horten und kaum einsetzen um Tierleid zu lindern oder
wirksam zu verhüten. Tierschutz ist für Schreyer Garant dafür, dass auf
politischer Ebene gesetzliche Grundlagen geschaffen werden, damit Menschen
nicht willkürlich mit der Schöpfung umgehen. Profit dürfe nicht die
oberste Maxime der Tierhaltung sein.
Jedes Tier hat einen Namen
Im Tierheim Gals werden die Tiere geimpft, kastriert und ärztlich
versorgt. Leukose-positive Katzen leben in einer separaten Unterkunft mit
Auslauf. Jedes Tier hat und hört auf seinen Namen. Die gesunden, aber
meistens alten Katzen tummeln sich zusammen mit gut 50 Kaninchen und einem
Dutzend Hühnern und Hähnen in der umzäunten Hofstatt und im ganzen Haus.
Unheilbar leidende Tiere, die keine Anzeichen von Lebensfreude mehr
zeigen, werden sanft eingeschläfert. Ohne die Mithilfe von zwei
Angestellten und etlichen freiwilligen Helferinnen und Helfern könnte das
Heim nicht existieren. Putzen, füttern, betreuen, pflegen, Medikamente
verabreichen, mit Streicheleinheiten verwöhnen, der Betrieb läuft
eigentlich rund um die Uhr. Der 16-Stunden-Tag ist für Mina Schreyer
normal.
Spenden, Patenschaften
Der monatliche Aufwand für die Tiere im Heim beträgt rund 46000 Franken.
Das Tierheim ist vollständig auf Spenden, Gaben, Patenschaften und
einmalige oder regelmässige finanzielle (private) Zuwendungen angewiesen.
«Nein, ich will mir kein Denkmal setzen», wehrt sie - die ihr komfortables
Leben für heimatlose Tiere aufgegeben hat - bescheiden ab. «Ich will
versuchen, ein Stück Elend zu mildern - auf die Art, wie es mir möglich
ist.»
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